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„Tausend Feuerwehrmänner marschierten in Wandersleben auf“

Das ist die Überschrift eines großen Berichtes, welcher vor genau 80 Jahren, am 18. Juli 1939, in der Thüringer Allgemeine Zeitung Erfurt veröffentlicht wurde. Die Wanderslebenerin Gerlinde Lenhart hat 4 Seiten dieser Zeitung aufgehoben, welcher kürzlich durch den Enkel Christian wiedergefunden wurde.

Hier sind ein paar Ausschnitte des Artikels vom damaligen Großevent der Feuerwehr in Wandersleben:

Der Feuerwehrverband des Kreises Weißensee, der in 21 Amtswehren 2100 aktive Wehrmänner umfaßt, hielt am Sonntag in Wandersleben seinen Kreisappell ab. Während derartige Veranstaltungen bisher stets im Norden des Kreises stattgefunden hatten, wurde diesmal bewußt der südliche Teil zum Appellplatz gewählt, und zum erstenmal der Anmarsch der Wehren als Kolonnenfahrt durchgeführt.

Die Fahrübung, die um 5 Uhr morgens in Kindelbrück begann, verlief pünktlich auf die Minute und rechtfertigte alle Erwartungen. Die Erfurter Polizei nahm die stattliche Wagenkolonne, die sich bereits aus dem Nordteil des Kreises angesammelt hatte, an der Erfurter Stadtgrenze in Empfang und leitete sie über Hochheim weiter. Auf der Fahrt bis Wandersleben schlossen sich weitere Fahrzeuge an, so daß auf dem Appellplatz die stattliche Zahl von 18 Kraftfahrzeugspritzen, 22 Lastwagen, 21 Personenwagen, 18 Feuerwehrkrafträdern und 2 Autobussen gemeldet werden konnte.

Die Gemeinde Wandersleben gab ihre Freude über diesen Massenbesuch nicht nur durch überaus reichen Fahnenschmuck Ausdruck, sondern nahm auch regen Anteil an den interessanten Darbietungen, die am Sonntagvormittag einander ablösten. 1000 Feuerwehrmänner, darunter über 800 aus dem Kreis Weißensee, 40 Mann der Erfurter Freiwilligen Feuerwehr unter dem stellvertretenden Wehrführer Klopsch sowie fast 200 Mann aus dem Arnstädter und Gothaer Landkreis waren rings um den großen Platz aufmarschiert. Hinter Ihnen standen in Reih und Glied die Spritzen und die sonstigen Fahrzeuge, die die Männer nach Wandersleben gebracht hatten.

… Wanderslebens Bürgermeister Postel entbot … den vielen Gästen den herzlichen Willkomm seiner Gemeinde. Nach diesem Apell nahm Landrat Halfmann mit den Ehrengästen … den Vorbeimarsch der tausend Wehrmänner ab. Den Mannschaften, die vom Musikkorps der Gothaer Flieger und den Feuerwehr-Spielmannszügen aus Dachwig und Günstedt geführt wurden, folgte die lange Kolonne der Kraftfahrzeugspritzen und Gerätewagen.

Wieviel Übung und Kleinarbeit bei der Ausbildung des Feuerwehrmanns nötig ist, zeigten dann den vielen interessierten Zuschauern, die sich wieder auf dem Sportplatz eingefunden hatten die Freiwilligen Wehren aus Wandersleben, Mühlberg und Röhrensee. Sie boten unter Hauptbrandmeister Frank - Wandersleben zunächst Fußexerzieren und darauf eine exakt durchgeführte Schulangriffsübung. Bemerkenswert war es, daß sich daran auch die Wandersleber Reserve-Feuerwehr und die HJ-Wehr beteiligten.

Noch lebhafter wurde das Interesse, als die Sirene ertönte und die Wandersleber Feuerwehr sowie einen Löschzug der Sömmerdaer unter dem stellvertretenden Kreiswehrführer Lepper - Sömmerda zu einem Großangriff nach dem Gemeindegasthaus und dem gegenüberliegenden Erbhof rief. Hier erlebte Wandersleben nicht nur den Einsatz starker Druckrohre, sondern auch die Rettung durch Sprungtücher. Daß sich an diesem Rettungsspringen aus dem ersten Stockwerk auch die Mädel vom Landdienst beteiligten, die seit Mitte April in diesem Erbhof ihr Lager bezogen haben, wurde von der Menge mit besonderem Hallo begrüßt. Der Höhepunkt dieses Brandmanövers war für die vielen Zuschauer aber zweifellos, als die Sömmerdaer Wehr ihr Schaumlöschgerät in Tätigkeit setzte und die dicke „Schlagsahne“ an das Gebäude spritzte, so daß es im Nu mit der weißen Waffe überzogen war.

Dann gings zum gemeinsamen Mittagessen, daß die Frauenschaft in Gestalt einer ausgezeichneten Erbssuppe mit Speck gespendet hatte. Die Gothaer Flieger stellten die Tischmusik und spielten am Nachmittag abermals auf dem Sportplatz, wo noch die Bekämpfung von Oel- und Benzinbränden vorgeführt wurden und Sömmerdaer Kameraden durch ein zünftiges „Wasserballspiel“ auch für Humor sorgten. Beim Schlußappell würdigte Kreiswehrführer Gündel in seiner Kritik mit anerkenneden Worten den hohen Stand der Ausbildung und der Ausrüstung sowie die Einsatzbereitschaft der Feuerlöschpolizei des Kreises Weißensee.“

 

Was für ein interessanter Bericht aus der Feuerwehrgeschichte Wanderslebens. Leider gibt es nur sehr wenige Unterlagen aus dieser Zeit. Deshalb noch mal der AUFRUF an alle Bürger: Wer hat historische Unterlagen, Fotos usw. von der Feuerwehr Wandersleben? Hat vielleicht jemand sogar Fotos von diesem großen Feuerwehrappell am 16. Juli 1939 in Wandersleben? Schauen Sie doch bitte mal in alten Fotoalben oder auf dem Boden. Wir freuen uns über Alles! Wir werden es dokumentieren und sie bekommen ihr Original zurück. Sie können sich im Gerätehaus Wandersleben, beim Wehrführer Mario Spittel oder beim Vereinsvorsitzenden Uwe Hasert (0176-40599365) melden.

Uwe Hasert - Vorsitzender Feuerwehrverein Wandersleben e.V.